25. Mai 2017 – Feiertag

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Heute ein Feiertag. Ein leerer Tag. Ein freier Tag. Ein Tag der gefüllt werden kann. Er kann aber auch unangetastet durch die Zeit laufen. Wie fühlt sich ein leerer, geschenkter Tag an? Was kann ich machen, wenn ich nichts mache?

Ich sitze im Garten. Mein Blick fixiert die Hummel. Das kuschelige Insekt wälzt sich genüsslich in den Blütenpollen. Benommen vom Glück aalt sie sich, brummelt und vibriert mit ihren Flügeln. Sie kostet den schmackhaften Cocktail, besäuft sich daran als ob es Champagner wäre und fliegt schwerfällig davon um vielleicht neue Champagnercocktails zu finden.

Der Tag bekommt Kontur.

Also ein leerer Tag. Nichtstun ist auch was tun. Aber was?

Schreiben ist Tun. Schreiben fällt leicht. Es ist die etwas andere Form des Mitteilens. Ohne Geräusche, wenn ich vom Tippen der Tasten absehe. Schreiben ist wie lautloses Sprechen. Es ist die Suche nach dem Inhalt der Sprache. Die Verkabelung des Inneren nach Außen.

Geduld an den Tag.

Ich schwimme schon immer gern gegen den Strom. Nicht an der Oberfläche, sondern im Verborgenen. Ich laufe gerne barfuß und tanze mit nackten Füßen im Schnee bis ich sie nicht mehr spüre und sie schmerzen. Aus Leidenschaft für die Leichtigkeit, Freudentränen willkommen spüre ich warmen Herzens die Brise der Lebenslust. Der Wind erzählt mir Geschichten bis ihm die Luft ausgeht.

Nichtstun. Wenn ich nichts tue sind meine Augen trotzdem aktiv. Ich sehe. Auch atme ich. Ich rieche und schmecke. Ich fühle. Ich friere und schwitze. Ich höre. Ich tue nichts und doch unentwegt unendlich viel. Merkwürdig.

Ich liege im Gras. Es leuchtet in der Farbe der Hoffnung. Die letzten Tautropfen der Nacht legen sanft eine feuchte Schicht auf mein Kleid. Ich fühle es. Im gleichen Moment trifft mich ein Sonnenstrahl und deckt mich wie eine warme Decke zu. Ich schaue zum Himmel hinauf. Unendliche blaue Weite.  Schade, ein Flugzeug schneidet die Unendlichkeit in zwei Stücke.  Mauersegler fliegen in rasantem Tempo in luftiger Höhe. Luftakteure. Besser als jedes Flugzeug. Lautlos. Schwerelos. Könige der Lüfte. Fliegen ist schön. Wenn ich die Arme ausbreite passiert nichts.

Nichtstun. Ein leerer Tag. Wie fülle ich Nichtstun?

Ich höre. Ich höre Musik. Aus dem Wasserhahn plätschert das Wasser. Wasser, meine heimliche Liebe. Wasser zieht mich magisch an und beflügelt die Sinne. Abtauchen, weiter tauchen in eine andere Welt. Davon schwimmen. Umspült werden. Ohne Wasser kein Leben. Zuhause sein. Meer geht immer.

Der leere Tag gefällt mir…ich wage nicht ihn zu füllen…